Beaver Creek - Bilder von der alten Trestle

  • Beaver Creek, eine Nebenbahnstation in Iowa

    So lautet das Thema meines US-Modellbahn-Dioramas, zeitlich eingeordnet Mitte der 50er Jahre, also in der so genannten transition era, der Übergangsphase von Dampf auf Diesel. Beaver Creek besteht neben dem kleinen Stationsgebäude nur aus wenigen Bauwerken, den Getreidespeichern, einer Tankstelle mit Gebrauchtwagenhandel, einer Futter- und Saatguthandlung und einem nahegelegenen Farmhaus. Überwiegend wird die Strecke von Loks der Union Pacific befahren. Das Bild der Güterzugwagen ist vorbildentsprechend bunt, sie stammen vom gesamten nordamerikanischen Kontinent. Passend dazu beleben etliche der damaligen amerikanischen Straßenkreuzer, die gas guzzlers, die Straßen.

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    Die Getreidespeicher

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    Old John Deere tractor

    Die Gleisanlagen bestehen lediglich aus dem Hauptgleis, einem Überholgleis und zwei Anschlüssen für die beiden schon genannten Handelsunternehmen. Der nahe gelegene Beaver Creek, der derzeit kein Wasser führt, wird von einer Blechträgerbrücke überspannt. Das beinahe parallel verlaufende Anschlussgleis der Feed & Seed Company überquert im weiteren Verlauf ebenfalls den Beaver, jedoch auf einer schon sehr baufälligen kleine Trestle-Brücke, die nicht mehr befahren werden darf. Früher mag dieses Gleis einmal zu einem weiteren Unternehmen geführt haben. Heute endet es auf dem anderen Ufer im Gestrüpp. Die Bewohner des nahen Farmhauses haben hier einen ausrangierten Caboose der Pennsylvania Railroad als Lagerraum und Sommerhäuschen

    aufgestellt.

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    Soweit die Geschichte zu meinem Diorama.

    It’s built like a stage, wie die US-Modellbahner sagen. Hier haben Lokomotiven und Waggons auf einem gestalteten Teil vom 400 x 60 cm ihren Auftritt, während sie sonst links und rechts auf Abstell- und Ausziehgleisen stehen, die eine Länge von 230 bzw. 80 cm aufweisen. Erreicht wird das eigentliche Diorama über zwei durch seitliche Blenden verdeckte Zufahrten, da es bei diesem Thema keine Tunnel gibt.

    Die Anlage wird konventionell (DC analog) betrieben. Den Fahrstrom liefert ein Titan Z-Trafo, der sich für den hier stattfindenden Rangierbetrieb fein regeln lässt und maximal 10 V abgibt. Die übrige Energie liefern zwei Trafos, auf denen unterschiedliche Spannungsstärken abgegriffen werden können.

    Da ich ab dem Jahre 1995 mit dem Sammeln einiger Lokomotiven schon vor dem Aufkommen von Soundbausteinen begonnen hatte, andererseits aber nicht auf vorbildentsprechende Diesel- und Dampflokgeräusche verzichten wollte, kommen hier zwei entsprechende Sincro-Sound-Module von MRC zum Einsatz. Diese bieten neben dem geschwindigkeitsabhängigen Fahrgeräuschen auch den Klang von Dampfpfeife, Dieselhorn usw.. Ausgesandt werden diese über drei Lautsprecher, die raumfüllend in einigen Gebäuden untergebracht sind. Eingebaut sind sie in Holzboxen, um eine sattere Wiedergabe zu erzeugen. Die Geräusche laufen zwar nicht mit den Lokomotiven mit, verteilen sich aber über die Lautsprecher recht gleichmäßig über das kleine Diorama. Bei größeren Anlagen wäre dieses Verfahren nicht praktikabel.

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    In der Mitte das Landhandelsunternehmen, die Feed & Seed Company, natürlich mit eigenem Gleisanschluss. Die SD 40-2 passt zwar nicht in die dargestellte Ära, aber erlaubt ist, was gefällt. Hier gleich noch einmal auf der Brücke über den Beaver Creek:

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    Die Gebäude stammen von Walthers (Getreidespeicher und Landhandel), Pola (Tankstelle mit US-Zurüstteilen) und Faller (Farmhaus). Das Stationsgebäude entstand aus diversen Resten. Die Brücke ist ein komplett modifiziertes ROCO-Teil und für die Trestle-Brücke mussten verschiedene Holzprofile und Balsabrettchen herhalten.

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    Willie hatte es mal wieder zu eilig. Der Sheriff stellt das passende Ticket aus.

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    Einige Hobos - frei nach Jack Londons bekanntem Roman ,Abenteurer des Schienenstranges'

    Die Streckenführung verläuft bewusst divergierend zu den Rändern des Dioramas, um optische Zwänge zu vermeiden. Die Weite der Landschaft – immer ein Problem auf solch einer kleinen Fläche – wird im Wesentlichen durch eine leicht halbelliptisch geführte Hintergrundkulisse erreicht. Diese besteht aus zwei miteinander verbundenen und verspachtelten Hartfaserplatten, die in einen Holzrahmen gespannt sind, um die Ausrundung zu erhalten. Verwendet habe ich Acrylfarben aus dem Baustoff- bzw. Kunstbedarfshandel. Der Himmel wurde in einem Blauverlauf mit Farbrollen

    aufgetragen, die Wolken stammen aus der Sprühdose. Man muss bei den Verläufen nur relativ schnell arbeiten, da Acryl recht zügig trocknet. Die eigentliche Landschaft ist nur in gestaffelten Hügelsilhouetten angedeutet. Mit Ausnahme der in die Weite führenden Straße habe ich nichts weiter dargestellt, um perspektivische Verzerrungen zu vermeiden. Das Malen der Kulisse war erstaunlich einfach, nachdem ich vorher einige Tests auf Restholz durchgeführt hatte.

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    Die Tankstelle mit dem Gebrauchtwagenhandel ...

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    ...und ein etwas eigenwilliges Werbemotto!

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    Hier ein Gesamtbild meines Dioramas - gebaut wie eine Bühne.

    Links vom Gleisbildstellwerk der Titan-Z-Trafo, rechts die beiden Steuermodule des leider nicht mehr erhältlichen Synchro-Sounds.

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    Der rechte Auslauf des Dioramas.

    Die abnehmbaren Kästen vor den Durchfahrten dienen als Licht- und Sichtblenden.

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    Links schließt sich der Fiddle Yard an.

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    Die Vitrine entstand aus einem Küchenschrank.

    Das Gleismaterial im gestalteten Teil stammt von PECO (Code 75), das für mich eine gelungen Mischung aus relativ schlanker Weichenoptik und vergleichsweise geringem Platzbedarf darstellt. Es ist auf Korkbettungen verlegt und mit ASOA-Granit eingeschottert. Das Trassenbrett ist auf Laminatdämmung schwimmend verlegt, um die Laufgeräusche möglichst gering zu halten. Der kleinste Radius beträgt hier 900 mm. Im ungestalteten Bereich kommt das alte ROCO Line System mit Bettung und seiner bekannt guten Geräuschdämmung zum Einsatz. Auf absolut leisen Lauf habe ich größten Wert gelegt, nachdem ich bei einer früheren Anlage einmal ungewollt einen regelrechten Resonanzkörper gebaut hatte. Die Gleishöhe über dem Fußboden beträgt 126 cm.

    Viel Spaß beim Anschauen!

    Gruß, Jacob Deventer

    Edited once, last by Jacob Deventer (April 25, 2022 at 12:35 PM).

  • bigboy4015 April 25, 2022 at 12:01 PM

    Approved the thread.
  • Sieht sehr gut aus.

    Kleines AAAABER: Die UP SD38-2 - eine ex Missouri Pacific - ist viel zu modern, Um 1985 herum.

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    Bigboy4015 - Ulrich Wolf - Cajon Pass / Nebraska / Wyoming - DB / SBB / ÖBB - DVB Straßenbahn Dresden - H0
    The situation is hopeless but not serious !

  • Jacob, ich finde Dein Werk einfach fantastisch! Die kleinen Details, Nebenschauplätze und die verwendeten Materialien und Farben sind toll getroffen👍.

    Für mich einwenig fraglich, wie einladend ein Forum ist, wenn die ersten zwei Reaktionen mit Kritik behaftet sind… Eigentlich schade

    Liebe Grüsse, Peter

  • Für mich einwenig fraglich, wie einladend ein Forum ist, wenn die ersten zwei Reaktionen mit Kritik behaftet sind… Eigentlich schade

    vielleicht sollte ein Forum nicht nur zum Lob ausschütten dienen, sondern auch darüber hinaus gewisse Unstimmigkeiten aufzeigen. Wer so etwas mit Kritik gleichsetzt, sollte sich m.E. nicht an die Öffentlichkeit wagen...

  • Hallo,

    vielen Dank für Eure Antworten.

    Die Kritiken geben mir die Möglichkeit, noch einmal auf meinen Eingangstext hinzuweisen:

    Zitat:

    In der Mitte das Landhandelsunternehmen, die Feed & Seed Company, natürlich mit eigenem Gleisanschluss. Die SD 40-2 passt zwar nicht in die dargestellte Ära, aber erlaubt ist, was gefällt. Hier gleich noch einmal auf der Brücke über den Beaver Creek:

    und:

    .... auf einer schon sehr baufälligen kleine Trestle-Brücke, die nicht mehr befahren werden darf. Früher mag dieses Gleis einmal zu einem weiteren Unternehmen geführt haben. Heute endet es auf dem anderen Ufer im Gestrüpp. Die Bewohner des nahen Farmhauses haben hier einen ausrangierten Caboose der Pennsylvania Railroad als Lagerraum und Sommerhäuschen aufgestellt.

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    Gerade habe ich die Bewohner des Farmhauses noch einmal gefragt, auf welchen dunklen Wegen sie an den Caboose der Pennsy gekommen seien. Leider waren sie zu keiner Auskunft bereit und weigern sich auch strikt, den Waggon wieder herauszurücken. Geht auch nicht, die Trestle ist kaputt, der Caboose würde in die Tiefe stürzen. Sollen sie ihn behalten.

    :)

    Gruß, Jacob

    Edited 2 times, last by Jacob Deventer (April 25, 2022 at 3:50 PM).

  • Jacob, das sieht klasse aus. Tolle Arbeit!

    Ulrich, die UP ist ne SD40-2. Hab genau die auch. War eine meiner ersten US Loks und ist von Kato. Mir ist sie mittlerweile zu alt was die Epoche angeht.

    __________________________
    Gruß: Michael

    Southern California in H0

  • ...die UP ist ne SD40-2. Hab genau die auch. War eine meiner ersten US Loks und ist von Kato...

    Deshalb ja, ich hab die auch. Mir ist die "LITTLE ROCK" Beschriftung direkt aufgefallen, nicht UP-Norm.

    Hatte irgendwie im Kopp das die zur SD38-2 umgebaut war (de-turbocharged), stimmt aber nicht. Hat als ex MoPac nur keine Widerstandsbremse.

    Ich hab die UP #3202 mit meiner UPY #Y833 vermischt. Die ist eine SD38-2, aber mit Widerstandsbremse.

    PS: Die Story mit der PRR Caboose gefällt mit... Ich hab die erst überlesen.

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  • Sagen wir es mal so: Gerade weil das Layout zeitlich in sich so durchgängig stimmig wirkt fällt die UP auf.:)

    Bei dem Layout der der sauberen Machart auch von den Abstellbereichen wartet man gern auf nehr.

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  • Hallo Jacob,

    die Anlage sieht sehr gut aus! Und die penibel sauberen Abstellbereiche... Brrrr das gefällt dem Monk in mir^^

    Willkommen im Forum!

    P.S. lass dich nicht abschrecken von uns wenn es mal etwas rauer ist oder auch Kritik kommt. Diese ist meistens sehr konstruktiv gehalten.

    Sind hald nicht das Stummiforum ;)

  • Vielen Dank für Eure freundliche Begrüßung.

    Hinsichtlich des Pennsy-Caboose hier der Hintergrund meiner Idee, diesen als Gartenhäuschen meiner Farmleute aufzustellen. Gern hätte ich mir solch einen Caboose in den Garten gestellt. Aber schon die Beschaffung in den USA wäre nicht einfach geworden, von den immensen Transportkosten nach Deutschland einmal ganz zu schweigen. Daher habe ich den Gedanken recht bald wieder aufgegeben und ihn letztlich auf meinem Diorama in die Tat umgesetzt.

    Die aus der Zeit gefallene SD 40-2, ein KATO-Modell gefiel mir einfach aufgrund ihrer markanten Optik und der bekannten Qualität des Herstellers.. Meist steht sie in der Vitrine. An sonnigen Tagen darf sie auch einmal über das Layout rollen.

    Nach einer Umgestaltung der linksseitigen Partie meines Dioramas folgt nun wieder eine Reise in die Vergangenheit, als es in rural America noch die eine oder andere Schmiede gab:

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    Die Schmiede stammt von Pola, das Lager und die Blockhütte von Faller. Letztere erhielt für ein etwas rustikaleres Erscheinungsbild ein Schindeldach aus Auhagen-Platten.

    Gute Unterhaltung!

    :)

    Gruß, Jacob

    Edited once, last by Jacob Deventer (April 28, 2022 at 3:45 PM).

  • Hallo Jacob,

    das ist ein wirklich gelungenes Betriebsdiorama. Kannst Du davon mal eine erhöhte Übersicht oder einen Gleisplan zur besseren Orientierung einstellen?

    Danke!

    Gruß
    Jan

    Oregon Proto Freelance in HO
    Portland & Western // Coos Bay Rail Line // Port of Tillamook Bay Railroad

  • Der Gleisplan

    Der Einfachheit halber habe ich die Gleisbildstellwerke des Dioramas und des Fiddle Yard fotografiert. Wie bereits in meinem Eingangsbeitrag angegeben, beträgt die Länge des gestalteten Teils 400 cm, dessen Tiefe 60 cm. Der Fiddle Yard weist eine Gesamtlänge von 230 cm auf, der rechte Teil mit den beiden Auslaufgleisen misst 80 cm.

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    Gleisplan des Dioramas

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    Gleisplan des Fiddle Yard.

    Oben rechts das Durchfahrgleis zum gestalteten Teil. Vgl. auch mit den letzten vier Bildern meines Eingangsbeitrags.

    Weitere Fragen beantworte ich gerne.

    ;)

    Gruß, Jacob

    Edited once, last by Jacob Deventer (April 29, 2022 at 5:02 PM).

  • Hallo Jacob,

    ein wahrhaftig bildschönes Diorama ist da gelungen - die Einzelheiten und auch die herbstlichen Farben sind ein Gedicht. Es macht Spaß, auf den Fotos immer wieder neue Details zu entdecken.

    Was auch recht interessant ist - die Brücken. Meine Wenigkeit ist in einem ähnlichen Thema unterwegs und im Nachhinein kam der Gedanke, dass etwas fehlt (so wie meistens im Leben). Ein Trocken-oder Wassergraben, ein Trestle über jene oder eine staubige Landstraße lockert eine ansonsten brettebene Modellbahn auf. Bei Dir wurde das umgesetzt - toll.

    Mit freundlichem Gruß, Marty

  • Jacob Deventer May 1, 2022 at 10:32 PM

    Changed the title of the thread from “Beaver Creek, eine Nebenbahnstation in Iowa” to “Beaver Creek - Spiel mit Licht & Farbe”.

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